Das ULIWOOD-Baubuch

  

Endlich! Bin an ein internetfähiges Laptop gekommen, mit dem es mir möglich ist, eine Homepage nach meinen eigenen Vorstellungen ins Netz zu stellen!

Und ich plane große Dinge! Eine virtuelle Stadt, die sich ganz meiner Kunst, meiner Visionen, meiner skurillen Gedanken widmet, auf der aber zugleich jeder Gast willkommen ist, die blind ist für Hautfarbe, Gesinnung (solange keiner wagt, Kritik an mir zu üben) und Kreditkartennummern...und sie soll den alten apachischen Namen ULIWOOD tragen!

Will zum Citizen Kane des Internets werden. Stoße mit mir selbst auf diesen ehrgeizigen Masterplan an. Prost!

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Mir schwebt etwas ganz Ambitioniertes vor...eine Stadt, in der sich der Besucher verirren und verlieren kann (vielleicht sollte ich versuchen, einen Deal mit diversen Internet-Providern abzuschließen). Mir ist natürlich klar, daß das Projekt meine ganze Hingabe einfordern wird.

Das kann dauern! Um der hufscharrenden Öffentlichkeit die Wartezeit etwas zu verkürzen werfe ich ihnen einen Knochen in Form einer „begehbaren Baustelle“ hin. ULIWOOD soll auf dieser Grundlage sukzessive wachsen.

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Geschafft! Nach einem fünfstündigen Kampf mit der Software von Net-Objects-Fusion, der von gegenseitigem Respekt gekennzeichnet ist,  steht die Baustelle im Netz. Meine Biervorräte sind dabei komplett draufgegangen.

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Plane, meine Roman- und Comicfiguren in ULIWOOD anzusiedeln. Bespreche das mit ihnen. Sie sind einverstanden. Deathwish© will aber auf jeden Fall oben schlafen. Von mir aus.

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Rekrutiere eine Horde fähiger virtueller Helfer, die ULIWOOD in Rekordzeit aus dem Boden stampfen sollen. Arbeite einen ersten Entwurf für eine Startseite aus. Doch plötzlich kommen mir Zweifel an der Strukturierung der Seite. Zeit, alles nochmal bei einem leckeren Weizen zu überdenken.

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Die Bauarbeiten kommen ins Stocken. Ärger mit der Baubehörde, unzufriedene Mitarbeiter, unzufriedene Comicfiguren die endlich einziehen wollen. Zeichne unentwegt, doch Entwurf um Entwurf landet im Papierkorb. Suche Abstand zum Projekt. Bekomme anonyme Morddrohungen. Alles deutet auf Deathwish© hin

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Harrison Ford ruft ständig an und fragt mich, wann wir endlich wieder einen trinken gehe. Es nervt langsam. Merkt er eigentlich nicht, daß ich leide? Inzwischen steigen die Produktionskosten an Weizenbier ins Unermeßliche....

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Bekomme den lang ersehnten Job in der Fachabteilung unserer Firma. Werde geknechtet undgemobbt, obwohl ich den Chef stets mit „mein Führer“ anrede. Er wiederum treibt mich mit einer geschickten Mixtur aus Zuckerbrot (also Gehaltserhöhung) und Peitsche (er greift mich als Künstler an!) ans Leistungslimit. Wirklich, er fordert mich bis ans Äußerste. So gönnt er mir nur noch drei Stunden Schlaf im Büro.

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Mein Aldi-Scanner macht nach vielen Jahren treuer Ergebenheit schlapp. Zumindest glaub ich das. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, daß mein Scanner ein Schläfer aus dem kalten Krieg ist, den ich aus Versehen reaktiviert habe. Jedenfalls scannt er nicht mehr. Scheißdreck!

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Die Firma bietet mir an, meine Sachen auszustellen. Prima, denk ich, das spart mir die Altkleidersammlung. Endlich werde ich meine verranzten Klamotten los! Da erzählen sie mir, daß sie meine Gemälde meinen. Ach so ist das. Bin also gezwungen, neue Bilder zu malen und die Arbeiten an der Homepage bis auf weiteres einzustellen. Meine Romanfiguren verprügeln mich daraufhin im Traum.

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Hab ein Bild verkauft. Versaufe sofort den gesamten Gewinn.

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Schwarzenegger sagt seine Mitarbeit an ULIWOOD ab (er sollte mir den PC hinterhertragen und ein paar Möbel in meiner Bude umstellen). Er sagt, er hat andere berufliche Verpflichtungen. Vermute, daß er sich einfach drücken will. Später lese ich, daß er sich als Gouverneur von Kalifornien beworben hat. Die faule Sau!

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Suche den tieferen Sinn in „Worldsex.com“. Leider läßt meiner Dauererektion keine weiteren philosophischen Erörterungen zu.

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Verbringe einen Tag in ´nem Cafe mit einem High-Tech-Klo. Bin fasziniert von dem vollautomatiserten Handtuchspender mit Sensorbetrieb. Das ist die Zukunft!!! Halte die Hand so lange vor den Sensor, bis der Automat leer ist. Inzwischen ist es Mitternacht. Geh zufrieden nach Hause.

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Nach einer Marathon-Homepagesession von 16 Stunden am Wochenende steht ein erster Entwurf von ULIWOOD im Netz. Falle auf der Arbeit durch meine nervösen Zuckungen auf. Jetzt sollte ich mich um einen Eintrag in die Suchmaschinen dieser Welt bemühen. Kann mich aber noch nicht auf einen Suchbegriff einigen. Nehm ich nun “e-bay”, “Titten” oder “Atombomben-Bauanleitung”? Find sie alle gut.

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Bekomme einen Brief aus Italien. Es sind Pavarotti`s Anwälte. Er findet meinen Sketch über sich gar nicht lustig. Versteht er denn nicht, daß ich es als Hommage gemeint hab? Der Sketch bleibt jedenfalls drauf. Er ist in der Rubrik “Cartoons” zu bewundern.

 

 

 

Erstmal wieder zurück...